Betriebliche Altersvorsorge lohnt sich nur für junge Leute!??

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"...das lohnt sich für mich nicht mehr. Ich bin für eine Betriebsrente zu alt!"

 

Viele ältere Arbeitnehmer glauben, wenn das 55.te Lebensjahr überschritten ist, ist die betriebliche Altersvorsorge für Sie nicht mehr rentabel.

 

Dies klingt logisch und wenn man folgende Punkte betrachtet leuchtet es jedem ohne tiefere Kenntnis der Materie auch direkt ein:

 

- kaum Zinsen bei kurzer Anspardauer

 

- es fallen Kosten für den Abschluss des Vertrags an

 

- die Leistungen werden versteuert und es fallen Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge an

 

- Kürzung der gesetzlichen Rente


Das Gegenteil ist jedoch oft der Fall. Sie werden überascht sein... Wollen wir wetten?

 

Beispiel

 

Arbeitnehmer Bauer wird am 01.12.2017 60 Jahre alt. Er möchte mit 65 Jahren in Rente gehen.

Er verdient aktuell 3000€ brutto (ledig, Lohnsteuerklasse I) und hat ein Angebot über 120€ zur betrieblichen Altersversorgung vorliegen.

 

Sein Arbeitgeber würde ihm einen Zuschuss von 20% zur bAV zahlen.

 

Zur Verdeutlichung der "Funktion" der bAV, nachfolgend der Gehaltszettel vor und nach Entgeltumwandlung.


Gehaltszettel "bisher"

Bruttoeinkommen: 3000€

- Krankenversicherung 252,00 €

- Pflegeversicherung 45,75€

- Arbeitslosenversicherung 45,00€

- Rentenversicherung 280,50€

- Lohnsteuer 431,16€

- Soli-Zuschlag 23,71€

- Kirchensteuer 38,80€

 

Nettoeinkommen: 1883,08€



 

Nach einem ausführlichen Gespräch mit dem bAV-Berater und seinem Chef entschließt er sich, die betriebliche Altersversorgung zu nutzen.

 

Der Beitrag des Direktversicherungvertrages teilt sich wie folgt auf:

 

Beitrag an die Direktversicherung Gesamt pro Monat: 120 €

 

hiervon Arbeitgeberzuschuss: 20 €

 

hiervon Entgeltumwandlung: 100€

>>>>>>>>>>>>>>>>>>

Es fließen 120 €uro in die Betriebsrente.

Es "kostet" den Arbeitnehmer nur 49€!

 


Gehaltszettel "neu mit bAV"

Bruttoeinkommen vor bAV: 3000€

- Beitrag Betriebsrente 120,00€

+ Arbeitgeberzuschuss 20,00 €

Bruttoeinkommen neu: 2900€

- Krankenversicherung 243,60€

- Pflegeversicherung 44,23€

- Arbeitslosenversicherung 43,50€

- Rentenversicherung 271,15€

- Lohnsteuer 405,33€

- Soli-Zuschlag 22,29€

- Kirchensteuer 36,48€

 

Nettoeinkommen: 1833,42€



Der Hebel liegt in den Zuschüssen vom Arbeitgeber und vom Staat. Aus 49,66 € netto werden auf dem Lohnzettel 120€ Sparrate!!

 

Herr Bauer und sein Arbeitgeber zahlen 120 € pro Monat über 5 Jahre in die Betriebsrente ein.

 

Gesamtbeitrag: 5Jahre*12Monate*120€ = 7200 €

 

Aufgrund der kurzen Laufzeit beträgt die garantierte Ablaufleistung ebenfalls nur die 7200€. Mit einem großen Überschuss ist nicht zu rechnen. Tatsächlich kosten Herrn Bauer diese 7200 € aber auch nur 49,66 € netto im Monat (Ersparnis Steuer und Sozialversicherung sowie Arbeitgeberzuschuss).

 

Nettoaufwand: 5Jahre*12Monate*49,66€ = 2979,60 €

 

Er erhält also für 2979,60€ eine Ablaufleistung von 7200€! Das entspricht einer Rendite von 35,58% pro Jahr!!!!

 

Weiter geht´s!

... nun ziehen wir die Steuerlast noch ab und kümmern uns um die Sozialabgaben sowie errechnen die Rentenkürzung!


Rentenkürzung

 

Wir unterstellen eine jährliche Rentenanpassung von 1,1% pro Jahr.

Die spätere Monatsrente (Brutto > Sozialversicherung und Steuer gehen noch ab) läge um 5,22€ tiefer. Bei einer aktuellen fast schon erreichten durchschnittlichen Rentenbezugsdauer von 20 Jahren müssen wir also in Abzug bringen.

 

Rentenkürzung:

 

5,22€*12Monate*20Jahre = 1252,8€


Einkommenssteuer

 

Die Leistung aus der Betriebsrente zum 01.12.2022 ist zu versteuern.

 

Herr Bauer ist schlau. Er schiebt die bAV-Leistung in das nächste Jahr, wo er lediglich Einnahmen aus der gesetzlichen Rentenversicherung (1300€ pro Monat) hat. Durch das niedrigere Einkommen sinkt seine Steuerlast.

 

Er hat durch die bAV eine zusätzliche Steuerlast von rund 1600€ zu tragen.


Sozialversicherungsbeiträge

 

Herr Bauer erhält lediglich die Leistungen aus dieser betrieblichen Altersvorsorge. Weitere bAV-Verträge bestehen nicht. Da er unter der Bagatellgrenze (Freigrenze) von aktuell 17.850€ liegt, muss er keine Sozialversicherung zahlen.

 

zusätzlicher Beitrag: 0,00 €

 

 

 

(siehe auch §18 SGB IV)




Über 5% Rendite möglich? Vor Steuer in Ordnung... aber der Staat nimmt es ja auch wieder... oder???

 

Herr Bauer möchte es deshalb genau wissen. Er begleicht im Jahr 2023 die zusätzliche Steuerschuld in Höhe von 1600€.

Nun möchte er wissen, wie viel Ihm seine Betriebsrente tatsächlich eingebracht hat. Wir rechnen nach:

 

Auszahlungbetrag: 7200,00 € abzüglich

- Rentenkürzung über 20 Jahre: 1252,80 €

- zusätzliche Einkommenssteuer: rd. 1600,00 €

= Nettoauszahlung: 4347,20 €

 

Eigenbeitrag: 49,66 € pro Monat

Anlagedauer: 60 Monate

 

RENDITE: 14,76 Prozent

 

 

Die Annahmen sind wahrlich nicht schöngerechnet!

- Es wurde die Bruttorentenkürzung herangezogen (hierauf wären normal Sozialversicherungsbeiträge und ggfs. Steuern angefallen).

- Es wurde eine Nullverzinsung der Betriebsrente angenommen.

- Es wurde 20 Jahre Rentenbezugszeit unterstellt (65 Lj. bis 86 Lj.).

 

Und trotzdem kommt dieses Ergebnis heraus. Eine Rendite von über 14 Prozent p.a..

 

Sie wollen nachrechnen???

Renditerechner-Online

 

Wette gewonnen ????

 

Im Übrigen ist das ganze für den Arbeitgeber auch noch "kostenneutral". Also keine Scheu...!

Er spart durch die Entgeltumwandlung i.d.R. 20% bis 25% an Lohnnebenkosten (Sozialversicherungsbeiträge und Umlagen).

 

Ein kleiner Wermutstropfen sollte nicht unerwähnt bleiben!

Durch die Verringerung der Sozialversicherungsabgaben sinken auch Ihre Leistungsansprüche aus den anderen Sozialversicherungen, z.B.

 

- Arbeitslosenversicherung

- Krankenversicherung (Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, hier rund 1,4€/Tag, ab dem 43.ten Krankheitstag).

 

Diese 1,4€ pro Tag sind denke ich wirklich verkraftbar.. und würden sowieso erst bei Krankheit länger >6 Wochen zum Tragen kommen!

 

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Quelle: Der neue Arbeitgeberzuschuss gemäß Paragraph 1a Abs. 1a BetrAVG - Auswirkungen auf tarifgebundene und tarifungebundene Unternehmen, Marc Buchholz, 2017